8/8 Wann WordPress und andere CMS weiterhin sinnvoll sind

Bei aller Kritik wäre es falsch, klassische CMS grundsätzlich abzuschreiben. Sie bleiben eine gute Wahl, wenn ihre Stärken tatsächlich benötigt werden – zum Beispiel bei:

- häufig wechselnden Inhalten,
- vielen Redakteuren mit unterschiedlichen Rechten,
- umfangreichen redaktionellen Arbeitsabläufen,
- großen mehrsprachigen Inhaltsbeständen,
- komplexen Blogs und Magazinen,
- Onlineshops mit bewährter Erweiterungsstruktur,
- vorhandenen Schnittstellen und
- einem gesicherten Budget für Wartung, Tests und Sicherheitsüberwachung.

Entscheidend ist, dass die technische und organisatorische Verantwortung von Anfang an eingeplant wird. Ein CMS ist keine einmalig installierte Webseite, sondern dauerhaft betriebene Software.

Wer WordPress professionell betreibt, nur wenige hochwertige Erweiterungen nutzt, Aktualisierungen zeitnah testet, Zugänge absichert, Backups kontrolliert und die Installation überwacht, kann damit weiterhin zuverlässige Webseiten betreiben. Gefährlich ist weniger das CMS an sich als die Vorstellung, es könne nach der Erstellung jahrelang unbeaufsichtigt weiterlaufen.

Zehn Regeln für einen verantwortungsvollen CMS-Betrieb

Wer bereits WordPress, Joomla, Drupal oder Contao einsetzt, sollte mindestens folgende Grundregeln beachten:

1. **Nur notwendige Erweiterungen installieren.** Jede Funktion braucht einen nachvollziehbaren geschäftlichen Nutzen.
2. **Bei Standardwebseiten unter zehn Plugins bleiben.** Ausnahmen müssen sachlich begründet und dauerhaft betreubar sein.
3. **Nicht benötigte Plugins und Themes vollständig löschen.** Deaktivieren allein reicht als Aufräumstrategie nicht aus.
4. **Updates zeitnah, aber kontrolliert einspielen.** Vor größeren Änderungen sind Sicherung und Funktionstest erforderlich.
5. **Zwei-Faktor-Authentifizierung verwenden.** Besonders alle administrativen Konten müssen zusätzlich geschützt werden.
6. **Individuelle und starke Passwörter einsetzen.** Zugangsdaten dürfen nicht mehrfach verwendet oder unverschlüsselt weitergegeben werden.
7. **Backups außerhalb der Installation speichern.** Eine Sicherung im selben Webspace kann bei einem Angriff mitbetroffen sein.
8. **Erreichbarkeit und Kernfunktionen überwachen.** Eine grüne Startseite beweist nicht, dass Formulare, Bestellungen oder E-Mails funktionieren.
9. **Testinstallationen und Altbestände entfernen.** Vergessene Kopien sind ein häufig übersehener Angriffsweg.
10. **Verantwortung eindeutig festlegen.** Jemand muss Sicherheitsmeldungen lesen, Updates prüfen und im Ernstfall reagieren.

Fazit: Nicht das bekannteste System ist automatisch das passendste

WordPress, Joomla, Drupal und Contao haben die Erstellung und Pflege von Webseiten revolutioniert. Sie haben es Millionen Menschen ermöglicht, Inhalte ohne tiefgehende Programmierkenntnisse zu veröffentlichen. Diese Leistung bleibt unbestritten.

Doch aus einem Werkzeug für Inhalte ist vielerorts ein komplexes Softwaresystem mit zahlreichen Abhängigkeiten geworden. Die enorme Verbreitung macht bekannte CMS zu attraktiven Zielen für automatisierte Angriffe. Gleichzeitig entstehen viele Schwachstellen nicht im gut überwachten Kern, sondern in Plugins und Themes unterschiedlichster Hersteller. Jede zusätzliche Erweiterung erhöht Wartungsaufwand, Abhängigkeit und Konfliktpotenzial.

Deshalb beginnt eine zeitgemäße Webentwicklung heute nicht mehr mit der Frage „Welches CMS nehmen wir?“, sondern mit der Frage „Welche Technik benötigt diese Webseite wirklich?“

Für manche Projekte lautet die richtige Antwort weiterhin WordPress, Joomla, Drupal oder Contao. Für viele kleine und mittlere Webseiten ist die bessere Antwort inzwischen jedoch: eine schlankere, gezieltere Lösung mit weniger beweglichen Teilen.

Die Tage von WordPress sind also nicht gezählt, weil WordPress morgen verschwindet. Sie sind gezählt, weil das Zeitalter zu Ende geht, in dem ein großes CMS für nahezu jede Webseite als alternativlos galt.

Dies ist Artikel 8/8 - der letzte Teil unserer Reihe "Die Tage von WordPress sind gezählt".

Nun sollten Sie Ihr Wordpress inklusive Themes und Plugins aktualisieren - oder besser noch: Wandeln Sie Ihr unsicheres Wordpress in sichere .html Seiten um. Wir sind Ihnen dabei gerne behilflich.