1/8 Die Tage von WordPress sind gezählt – warum klassische CMS nicht mehr für jede Webseite die beste Wahl sind

WordPress ist nicht tot – aber sein Status als Standardlösung wackelt

„Die Tage von WordPress sind gezählt“ ist eine bewusst provokante Aussage. Denn von einem baldigen Verschwinden kann keine Rede sein: Nach den im August 2026 veröffentlichten (https://w3techs.com/technologies/overview/content_management) läuft WordPress auf rund 41,2 Prozent aller untersuchten Webseiten. Innerhalb des von W3Techs erfassten CMS-Marktes entspricht das einem Anteil von 59,1 Prozent. Joomla kommt auf 1,2 Prozent aller Webseiten, Drupal auf 0,7 Prozent und Contao auf 0,1 Prozent. WordPress ist also weiterhin mit großem Abstand das meistgenutzte Content-Management-System der Welt.

Und dennoch hat sich etwas Grundsätzliches verändert: WordPress ist nicht mehr automatisch die beste Antwort auf die Frage, wie eine neue Webseite umgesetzt werden sollte.

Über viele Jahre galt ein CMS fast schon als Pflicht. Wer eine Firmenwebseite, einen Blog, eine Vereinsseite oder ein kleines Informationsportal benötigte, installierte WordPress, Joomla, Drupal oder Contao. Das war nachvollziehbar. Inhalte ließen sich ohne HTML-Kenntnisse bearbeiten, Designs konnten über Themes ausgetauscht und Funktionen mit Erweiterungen nachgerüstet werden.

Heute stehen jedoch deutlich mehr Möglichkeiten zur Verfügung. Schlanke Individualentwicklungen, statisch erzeugte Webseiten, gehostete Baukastensysteme, Flat-File-Lösungen und hybride Konzepte können für viele Projekte schneller, wartungsärmer und sicherer sein. Hinzu kommt, dass moderne Entwicklungswerkzeuge und künstliche Intelligenz die Erstellung individueller Lösungen erheblich beschleunigen. Man muss nicht mehr ein komplettes Redaktionssystem installieren, nur um fünf Inhaltsseiten und ein Kontaktformular ins Internet zu stellen.

Die Tage von WordPress sind daher nicht in dem Sinne gezählt, dass das System bald verschwindet. Gezählt sind vielmehr die Tage, in denen WordPress reflexartig als Standardlösung für nahezu jede Webseite ausgewählt wurde.

Ein CMS bringt viel Technik mit – auch wenn die Webseite sie gar nicht benötigt

Ein klassisches Content-Management-System ist keine einfache Ansammlung von HTML-Seiten. Es besteht unter anderem aus PHP-Code, einer Datenbank, einem Administrationsbereich, einer Benutzerverwaltung, einer Rechteverwaltung, Schnittstellen, Upload-Funktionen, einem Theme-System und meist zahlreichen Erweiterungen.

All diese Bestandteile sind sinnvoll, wenn sie wirklich gebraucht werden. Bei vielen kleinen und mittleren Webseiten ist das jedoch nicht der Fall.

Eine typische Unternehmenswebseite besteht beispielsweise aus:

- einer Startseite,
- einer Leistungsübersicht,
- einigen Unterseiten,
- einem Kontaktformular,
- einem Impressum,
- einer Datenschutzerklärung und
- gelegentlichen Neuigkeiten.

Für eine solche Webseite arbeitet im Hintergrund häufig ein System, das theoretisch Benutzerrollen, Kommentare, XML-RPC-Schnittstellen, REST-APIs, Medienarchive, Taxonomien, Trackbacks, Feeds, Block-Editoren, Remote-Publishing und unzählige weitere Funktionen beherrscht. Benötigt wird davon oft nur ein Bruchteil.

Das führt zu einem grundlegenden Missverhältnis: Die Webseite ist inhaltlich einfach, ihre technische Basis aber komplex. Und jede zusätzliche Komponente muss installiert, konfiguriert, aktualisiert, überwacht und gesichert werden.

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